Wenn der Strom weg ist: Was der große Ausfall im Berliner Südwesten über Vorbereitung lehrt
- crisewise Redaktion

- 3. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Am 3. Januar fiel im Südwesten Berlins großflächig der Strom aus. Betroffen waren Zehntausende Haushalte und Betriebe in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Ursache war ein Brand an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal – mehrere Leitungen zum Kraftwerk Lichterfelde wurden beschädigt. Der Netzbetreiber rechnete damit, dass die vollständige Versorgung erst bis Donnerstag wiederhergestellt ist. Die Polizei prüfte ein Bekennerschreiben; ermittelt wird wegen Brandstiftung. Für Betroffene richteten Stadt und Hilfsorganisationen Notunterkünfte und Notrufannahmestellen ein.
Diese Lage zeigt: Vorbereitung ist keine Panikmache, sondern gesunder Menschenverstand. Ein Stromausfall kann Stunden oder Tage dauern – und trifft vieles gleichzeitig: Heizung, Licht, Handyempfang, Kartenzahlung, Internet. Wer dann für 72 Stunden das Wichtigste zu Hause hat, bleibt handlungsfähig und entlastet Einsatzkräfte.
Was in Berlin passierte – und warum es so lange dauert
Größe der Störung: Rund 45.000 bis 50.000 Haushalte und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe waren ohne Strom.
Ursache: Brand/Kabelbrücke am Teltowkanal; aufwendige Ersatzleitungen nötig.
Dauer: Netzbetreiber und Behörden kommunizierten Wiederversorgung bis Donnerstag, mit Zwischenlösungen für Teilgebiete.
Sicherheit & Hilfe: Polizei und Feuerwehr veröffentlichten Verhaltenshinweise und nannten Anlaufstellen, wenn Telefon/Notruf gestört sind.
Kurz: Fällt ein zentraler Knoten aus, helfen Redundanzen – aber Reparaturen über Wasserläufe, Kälte und Dunkelheit kosten Zeit. Genau deshalb gehört Eigenvorsorge in jeden Haushalt.
Was ein Stromausfall im Alltag bedeutet
Wärme: Die meisten Heizungen brauchen Strom (Steuerung/Pumpe). Räume kühlen spürbar aus. Wärme bündeln (ein Zimmer), Decken/Schichten nutzen.
Licht & Infos: Ohne Netz und Strom bleiben Batterie-/Kurbelradios und Taschenlampen verlässlich. Powerbanks helfen, Handys sparsam betriebsbereit zu halten.
Kommunikation & Notruf: Wenn 110/112 nicht erreichbar sind, zu Feuerwachen/Polizeiwachen oder Notrufpunkten gehen (in Berlin z. B. S-Bhf. Wannsee, Mexikoplatz, OBI Goerzallee u. a.).
Einkauf & Zahlung: Kartenterminals können ausfallen; Bargeld (kleine Scheine) ist wichtig.
Gesundheit & Pflege: Praxen, Pflegeheime und Apotheken können eingeschränkt sein; Behörden verlegten in Berlin Bewohner:innen einzelner Heime.
Die 72-Stunden-Grundausstattung (Haushalt)
Mit diesen Bausteinen überstehen Sie die ersten drei Tage – auch mit Kindern oder älteren Angehörigen:
Wasser: mind. 2–3 l pro Person/Tag (Trinken + einfache Hygiene).
Lebensmittel: Fertiges & Haltbares (Konserven, Brotaufstriche, Riegel, Babynahrung).
Licht & Energie: Taschenlampen, Stirnlampen, Batterien, Kurbel-/Batterieradio, Powerbanks (geladen).
Wärme: Decken/Schlafsäcke, warme Kleidung, Wärmflasche (mit heißem Wasser vom Gaskocher b.
Hygiene: Feuchttücher, Müllbeutel, Desinfektion, Toilettenpapier.
Medikamente: Regelbedarf + Schmerzmittel, Fieberthermometer.
Dokumente & Kontakte: Wichtige Nummern ausgedruckt, Ausweiskopien, Versicherungen.
Bargeld: Kleine Scheine/Münzen für Notkäufe.
Kochen: Kleiner Campingkocher + Brennstoff (nur im Freien/gelüftet, Brand- und CO-Gefahr beachten).
Kinder & Haustiere: Windeln, Milchpulver, Tierfutter, Spiele.
Tipp: Beginnen Sie heute – Box anlegen, Einkauf nach und nach ergänzen. So bleibt es preiswert und alltagstauglich.
Verhalten während des Ausfalls
Ruhe & Übersicht: Ein Zimmer wählen, Türen schließen, Wärme halten. Geräte vom Netz trennen (Überspannung).
Sparsam mit Akku: Flugmodus, Helligkeit runter, kurze Checks statt Dauerscrollen.
Infos checken: Radio einschalten; Lautsprecherdurchsagen beachten; Hinweise von Stadt/Feuerwehr nutzen (in Berlin: Notrufannahmestellen + Notunterkünfte).
Nachbarschaft: Bei älteren/alleinlebenden Menschen klingeln, Hilfe anbieten.
Sicherheit: Kein Grill/Heizstrahler/Gaskatalyt in Innenräumen (CO-Gefahr); Kerzen standsicher, nie unbeaufsichtigt.
Mobilität: Ampeln/ÖPNV können ausfallen; Umleitungen und SEV (Schienenersatzverkehr) beachten.
Plus für Familien: Mini-Check für 24 Stunden
Thermoskannen füllen, Wasser in Kanister.
Powerbanks laden, Radio bereitstellen.
Babynahrung/Medizin griffbereit.
Treffpunkt mit Angehörigen festlegen, falls Handys ausfallen.
Unternehmen & Praxen: Kurzleitfaden
Business-Continuity-Plan (BCP): Was muss weiterlaufen? Kasse, Kühlung, Zutritt, IT-Kernsysteme.
USV/Notstrom: Router/ONT, Kassenserver, kritische Kühlketten.
Kommunikation: Ansage auf Band, Aushänge, alternative Kontaktwege.
Sicherheit: Licht/Schließsysteme prüfen; nur freigegebene Notheizungen.
Koordination: Personalpläne für Schicht-/Heimarbeit, Kontaktliste offline.
Was die Berliner Lage auch lehrt
Infos müssen analog erreichbar sein. In Berlin hat die Feuerwehr Orte für Notrufe benannt (Rathaus Wannsee, Mexikoplatz, S-Bahnhof Zehlendorf u. a.). Diese Praxis gehört in jede Kommune.
Transparente Lagebilder helfen. Offizielle Portale (z. B. Berlin.de) bündeln Anlaufstellen und Notunterkünfte – das schafft Ordnung in unsicheren Stunden.
Planen in Etappen. Netzbetreiber nannten Zwischenziele (Teileinspeisung am Abend, Vollversorgung Tage später). Solche Meilensteine nehmen Druck aus der Lagekommunikation.
Wo Sie in Berlin Hilfe fanden (Beispiel)
Notunterkünfte (z. B. Cole Sports Center) und Aufwärm-/Ladepunkte (Gemeindehäuser), fortlaufend erweitert.
Notrufpunkte und verstärkte Streifen der Polizei bei gestörten Telefonnetzen. Details und Adressen stellte das Land online.
Fazit
Der Stromausfall im Berliner Südwesten war kein kurzer „Wackler“, sondern ein mehrtägiges Ereignis – mit Auswirkungen auf Wärme, Kommunikation, Versorgung. Die gute Nachricht: Vorsorge wirkt. Wer 72 Stunden autark bleibt, kommt ruhiger durch die Zeit und hilft indirekt den Schwächsten, für die Einsatzkräfte prioritär arbeiten. Beginnen Sie heute: Wasser, Lebensmittel, Licht, Radio, Medikamente, Bargeld – und ein kleiner Plan für Familie, Nachbarschaft und Betrieb. Das macht den Unterschied – nicht nur in Berlin.



